
Bier: Tschechien stößt Budweiser ab
(Neuheiten - Detail)
Datums : 15.10.2008Bier: Tschechien stößt Budweiser ab
Mittelfristig soll die legendäre Staatsbrauerei in private Hände gehen.
Prag. Die weltbekannte und drittgrößte tschechische Brauerei Budweiser soll privatisiert und in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Eine Strategie, wie das Langzeitprojekt endlich umgesetzt werden könne, legte die Regierung in Prag nun mit einem Monat Verspätung endlich vor. Aktuell hat Budweiser als einzige Brauerei in Tschechien den nicht mehr gebräuchlichen rechtlichen Status eines „Nationalunternehmens“, das in der heutigen Rechtsordnung keine Daseinsberechtigung mehr hat.
„Die Umwandlung von Budweiser in eine AG stellt daher eine unbestrittene Notwendigkeit dar“, meinte Petr Vorlíek, Sprecher des für das Unternehmen zuständigen Landwirtschaftsministeriums, in der Tageszeitung Hospodáské Noviny.
Jahrelanger Streit um Marke
Auf 4000 Seiten fasste die mit dem Gutachten beauftragte Anwaltskanzlei nun alle Risiken und Alternativen des vorgeschlagenen Transformationsprozesses zusammen. Auch ein grober Zeitplan für die Abwicklung wurde erstellt. Das größte Risiko liegt laut Experten im Bereich des geistigen Eigentums. Gerade die Gewährleistung eines rechtlich einwandfreien Transfers aller Schutzmarken, des Handelsnamens, aller Urheberrechte und Lizenzverträge sowie der Schutz geografischer Angaben ist entscheidend.
Budweiser kann diesbezüglich auf zahlreiche Erfahrungen zurückgreifen. Derzeit ist das Unternehmen auf diesem Gebiet in mehr als hundert gerichtsanhängige Rechtsstreitigkeiten verwickelt, in erster Linie mit der US-Brauerei Anheuser-Busch, seinem größten Rivalen am Markt. Anheuser-Busch wurde heuer im Juli vom belgisch-brasilianischen Weltmarktführer InBev gekauft. Dieser Konzern soll laut Experten neben den „üblichen Verdächtigen“ Carlsberg, Heineken oder SABMiller ernsthaft an Budweiser interessiert sein.
Privatisierung dauert Jahre
Gemäß dem komplexen Zeitplan für die Umwandlung der Brauerei in eine AG ist mit einer endgültigen Umsetzung erst in einigen Jahren zu rechnen. Dennoch kann sich der Finanzminister bereits jetzt auf eine stattliche Einnahme freuen. Experten gehen von einem Verkaufserlös von einigen Milliarden Kronen aus. Allein der Wert der Schutzmarke „Budweiser Budvar“ beläuft sich laut Schätzungen des Beraterunternehmens Cyrrus auf mindestens eine Milliarde US-Dollar, der Wert der Brauerei auf etwa sechs Milliarden Kronen (240 Mio. Euro).
Im Vorjahr produzierte Budweiser mehr als 1,2 Mio. Hektoliter Bier und erzielte einen Bruttogewinn von über 300 Millionen Kronen. Seit den 90er-Jahren investierte das Unternehmen ca. 3,5 Milliarden Kronen in die Modernisierung und Erweiterung seiner Produktion.
(15. 10. 2008 | DiePresse)
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