Wenn aus Konvergenz mit der Eurozone Divergenz wird

(Neuheiten - Detail)

Datums : 02.03.2010

Wenn aus Konvergenz mit der Eurozone Divergenz wird

Probleme hat die Eurozone mit ihrer Peripherie schon genug, weshalb es für Neulinge schwierig werden dürfte, beizutreten. Diese wollen das aber ohnehin nicht unbedingt.

"Der Eurozone beizutreten ist, als würde man ein Ei in der Pfanne braten. Sobald es in der Pfanne ist, kann man es nicht wieder zurück in die Schale geben." Derart simpel erklärte Simon Ballard von der Royal Bank of Canada, warum er dem "Auseinanderbrechen der Eurozone" keine realistische Wahrscheinlichkeit beimisst. Anders präsentiert sich die Lage, wenn die grundsätzliche Beitrittsfrage gestellt wird. Die Erweiterung der Währungsunion gen Osteuropa könnte Experten zufolge ein mögliches Opfer der griechischen Tragödie werden. Schließlich haben EZB & Co. mit dem hoch verschuldeten Griechenland und den restlichen PIGS ohnehin alle Hände voll zu tun. "Die Deutschen und die EZB sind entschlossen, kein weiteres Griechenland beitreten zu lassen", wird Lars Christensen von der Danske Bank von Reuters zitiert. Esther Law von der Société Générale unterschreibt: "Es wird für die potenziellen Kandidaten schwieriger werden, beizutreten. Ich erwarte eine strengere Kontrolle der Statistiken und der Einhaltung der Kriterien." Unmittelbare Chancen auf die Euro-Einführung - per Anfang 2011 - hat wohl nur Estland, dessen Budgetdefizit sich 2009 trotz eines BIP-Einbruchs von 13,7 Prozent auf 2,6 Prozent beschränkte.

Die Esten könnten bis 2015 oder gar darüber hinaus die einzigen Euro-Neulinge bleiben - auch weil der Euro außerhalb der Region wegen der Krise an der Peripherie an Attraktivität verliert. Christensen findet direkte Worte: "Die Währungsunion war ein vermeintlicher Hafen an fiskal- und geldpolitischer Umsicht. Aber jetzt könnten sich Euro-Anwärter zweimal überlegen, ob sie mit Griechenland in einem Klub sein wollen." So nahm etwa die dänische Regierung von einer geplanten Volksbefragung Abstand, weil die Bevölkerung laut Umfragen tief gespalten ist. In UK verschaffte sich David Cameron, Chef der konservativen Oppositionspartei, Gehör: "Unser Defizit und unsere Verschuldung sind auch ohne die Euro-Zwangsjacke schlimm genug." Aber selbst in Osteuropa häufen sich die Zeichen der Euro-Skepsis. "Die Abwarten- und-Tee-trinken-Einstellung dieser Länder hat sich als Folge der Griechenland-Krise verstärkt", wirft Sandor Richter vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche gegenüber der "FT" ein. So schoben die Tschechen und Polen im Februar den Euro-Horizont in die Ferne: Die Polen nannten keinen offiziellen Termin, die Tschechen setzten sich 2016 bzw. 2017 zum Ziel. Ausnahmen bestimmen die Regel: So ist für Ungarns Premier Gordon Bajnai die Eurozone auch jetzt noch ein "sicherer Hafen".Wenig verwunderlich, denn Ungarn dürfte laut Danske Bank besonders leiden, sollte der Eurozone-Beitritt nicht gelingen.

Ihre Einschätzung führt das Analystenteam neben der öffentlichen Verschuldung, die mit ca. 80 Prozent des BIP heuer die zweithöchste unter den Nicht-Eurozone-Staaten sein dürfte, auf den hohen Anteil der Fremdwährungskredite an der Verschuldung der Haushalte zurück. Die ungarische Geldpolitik funktioniert daher nur eingeschränkt: Leitzinssenkungen führen in einem risikoaversen Umfeld oftmals zur Abwertung des Forint, was für die Haushalte de facto eine straffere Geldpolitik zur Folge hat. Polen befindet sich zwar in einer ähnlichen Situation - mit einem wesentlichen Unterschied: Die Verschuldung ist mit erwarteten 57 Prozent des BIP viel geringer als die ungarische. Die polnischen Märkte werden daher auch weniger geprügelt. Aushängeschild für die Region ist aber die tschechische Republik, die die Danske-Analysten wegen der "läppischen" Verschuldung von 40 Prozent des BIP und des niedrigen Anteils der Fremdwährungskredite als "Miniatur-Deutschland" bezeichnen. Ergo, so Christensen: "Tschechische Bonds sollten für den Fall einer Divergenz den Großteil der Eurozone-Bonds outperformen, von ungarischen hält man sich indes besser fern."

(02. 03. 2010 | Wirtschaftsblatt)




Kontakt :
Address:
flag
CzechTrade Vienna
Martina Konecká
Millennium Tower
Handelskai 94-96
A-1200 Wien
Austria
Kontakt :
arrow
E-mail: vienna@czechtrade.cz
WWW: http://www.czechtrade.at/
Phone: +43 (0)1 240 27 390
Fax: +43 (0)1 240 27 66390
TOP