Fairtrade-Markt in Tschechien: Aufwärtstrend hält trotz Corona-Krise an

Veröffentlicht: 27.07.2021 Ähnliche Länder:  Österreich Österreich

Nicht nur die Produzenten von Kaffee oder Bananen, sondern auch ihre Handelspartner in Europa, hatten im 2020 mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Die Organisation Fairtrade Tschechien und Slowakei konnte in ihrer alljährlichen Pressekonferenz dennoch einen wachsenden Absatz von fair hergestellten Waren hierzulande präsentieren.

Einen angestammten Platz in den Statistiken hält anhaltend Kaffee, mit dem die Geschichte der Organisation in Europa einst ihren Anfang nahm. „Für uns ist sehr interessant und natürlich auch erfreulich, dass sogar im vergangenen Jahr, als die Situation für Cafés und Kaffeehäuser wegen der Corona-Pandemie sehr schwierig war, ein Anstieg von neun Prozent beim Verkauf von Fairtrade-Kaffee verzeichnet werden konnte. Dies ist der Tatsache zu verdanken, dass Kaffee heute auch in einer Reihe von Supermarktketten angeboten wird. Sein Absatz ist nicht mehr so stark abhängig vom Umsatz in Kaffeehäusern,“ sagte die Direktorin des Länderbüros von Fairtrade International, Hana Malíková.

2020 wurden in Tschechien 968 Tonnen grüner, das heißt ungerösteter Kaffeebohnen verkauft. In der Slowakei waren es 415 Tonnen, was einen Anstieg von 34 Prozent darstellte. In beiden Ländern gibt es mittlerweile auch Röstereien, die fair gehandelten Kaffee verarbeiten.

Als Marktneuheit wurden in Tschechien sowie in die Slowakei 2020 Fairtrade-Bananen eingeführt. Hana Malíková sagte dazu: „Auf dem tschechischen und slowakischen Markt wurden im vergangenen Jahr insgesamt 508 Tonnen Fairtrade-Bananen verkauft. Interessant daran ist, dass sie erstmals im Juni angeboten wurden und die Zahlen also nur für ein halbes Jahr gelten. Der Hauptanbieter ist die Supermarktkette Kaufland. Dank dieses Absatzes konnte den Bananenbauern eine Fairtrade-Prämie von 638.000 Kronen ausgezahlt werden.“ Dies sind Umgerechnet etwa 25.000 Euro. Tatsächlich war es schon früher möglich dieses Obst in Tschechien zu bekommen, etwa in Bio-Läden, die es durch Zwischenhändler in Deutschland oder in Österreich eingekauft haben. Nun hat sich die Kette Kaufland als offizieller Fairtrade-Handelspartner zertifizieren lassen.

„Das vergangene Jahr war extrem anstrengend für die Kleinbauern. Durch die Fairtrade-Prämie konnten sie besser auf die Pandemie reagieren. Eine Reihe von Genossenschaften kaufte damit etwa Schutz- und Desinfektionsmittel ein oder organisierte Corona-Tests. Außerdem wurden Lebensmittelpakete für die Arbeiter zusammengestellt. Vielen Menschen half das also, mit der Situation klarzukommen.“ Die höchste Prämiensumme für ein Produkt wurde 2020 mit dem Verkauf von Kakaobohnen eingenommen. In Tschechien waren dies 15 Millionen Kronen (590.000 Euro), in der Slowakei 315.000 Euro. Schokoladenprodukte sind laut Malíková eben die Fairtrade-Artikel, die auf dem Markt am sichtbarsten sind und das schnellste Wachstum aufweisen.

Seit 2020 sind in Tschechien nun auch Schnittblumen, am meisten Rosen, zu bekommen, die in Ländern des Globalen Südens unter würdevollen Arbeitsbedingungen gezüchtet wurden. Eine Fairtrade-Rose garantiert bessere Bedingungen für die Plantagenarbeiter, hinzu kommt eine finanzielle Unterstützung in Form einer Prämie, die ergänzend zum Mindestpreis für eine einzelne Blume ausgezahlt wird.

Quelle: https://deutsch.radio.cz/fairtrade-markt-tschechien-aufwaertstrend-haelt-trotz-corona-krise-8721674 (gekürzt)