Veröffentlicht:09.01.2026
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Tschechiens Export auf Rekordkurs

Der tschechische Export steht besser da, als es die öffentliche Debatte oft vermuten lässt. Trotz Pandemie, Energiekrise und geopolitischer Unsicherheiten hat sich die Handelsbilanz rasch erholt.

Die Exporte wachsen, der Überschuss kehrte zurück. Für Radomil Doležal, Direktor der staatlichen Exportagentur CzechTrade, ist dies vor allem ein Beleg für die Robustheit der industriellen Basis des Landes.

Diese Basis ist tief und breit. Tschechien gehört zu den industriell am stärksten geprägten Volkswirtschaften Europas. Maschinenbau, Automobilzulieferindustrie, Elektrotechnik, Optik oder Präzisionsfertigung bilden das Rückgrat des Exports. Viele Unternehmen sind hochspezialisierte Zulieferer mit globaler Reichweite, technisch exzellent, effizient organisiert und international verlässlich. Sichtbarkeit spielt dabei oft eine untergeordnete Rolle.

Hinzu kommt eine ausgeprägte Ingenieurtradition. Gut ausgebildete Fachkräfte, technische Universitäten und eine lange Erfahrung in der Serien- wie auch Sonderfertigung ermöglichen es Unternehmen, schnell auf Kundenanforderungen zu reagieren. Die Fähigkeit, Produkte zu individualisieren und Innovationen pragmatisch umzusetzen, gilt als eine der großen, oft unterschätzten Stärken der tschechischen Wirtschaft.

Auch die geografische Lage wirkt als Standortvorteil. Als Produktions- und Logistikdrehscheibe im Zentrum Europas profitiert Tschechien von kurzen Lieferwegen und enger Verzahnung mit Deutschland, seinem wichtigsten Handelspartner. Zugleich gewinnen neue Märkte an Bedeutung: Exporte in die USA, in die Türkei, in die Ukraine oder nach Südostasien legten zuletzt deutlich zu. CzechTrade begleitet diesen Prozess mit Auslandsbüros und Markteintrittsprogrammen.

Was fehlt, ist weniger Substanz als Selbstbewusstsein. Doležal sieht Defizite bei Design, Marketing und strategischer Positionierung. Technisch hochwertige Produkte würden international häufig unter Wert verkauft, weil sie schlecht erzählt seien. Das gelte auch für das Land selbst: Tschechien werde noch immer mit Bier, Glas und Geschichte assoziiert – weniger mit moderner Industrie und Technologie.

Die Schlussfolgerung ist nüchtern. Tschechien kann produzieren, und es produziert gut. Um jedoch höhere Margen zu erzielen und international stärker wahrgenommen zu werden, muss es lernen, seine Stärken klarer zu formulieren. Nicht als Imagekampagne, sondern als wirtschaftliche Notwendigkeit.

Vorbereitet durch das Team von CzechTrade Austria.
Quelle: newstream.cz